Mauerspecht in Wikipedia

Als Mauerspechte wurden im Volksmund Menschen bezeichnet, die nach dem Mauerfall 1989 die Berliner Mauer bearbeiteten und zerkleinerten.

Deren Motivation war grundlegend verschieden. Es gab zahlreiche

Souvenirjäger,
professionelle Händler,
Menschen, denen es aus politischer Motivation um die Teilnahme an der volksfestähnlichen (symbolisch schnellstmöglichen) Zerstückelung der Mauer vor allem im Bereich Potsdamer Platz und Checkpoint Charlie ging, sowie
Künstler (siehe Horst Walter).
Regelmäßige Durchsagen der West-Berliner Polizei „Unterlassen Sie sofort das Mauerklopfen…“ zeigten kaum Wirkung. Besonders beliebt bei Souvenirjägern und teuer bei Händlern waren Außenstücke mit Bemalungsresten (vgl. Abb. „Mauergraffiti“). Hierbei wurde aber von namentlich Unbekannten in der Mauerspechte-Spitzenzeit auch nachts an der Mauer oder sogar nachträglich „nachgefärbt“. Der Wert der entsprechenden Mauerteile, die die Farbe auch auf tags zuvor erzeugten Bruchflächen trugen, lag daher hinsichtlich des historischen Wertes bei fast Null. Und – ob gefärbt oder nicht – die Echtheit von als „Mauerstücke“ angebotenen Steinen ist oft zweifelhaft, auch wenn sie angeblich durch „Zertifikate“, die in der Regel von den Händlern selbst angefertigt worden sind, belegt wird.

Zeitweise fand auch ein florierender Verleih von Hämmern und Meißeln statt. John Runnings hatte bereits 1986 die Mauerkrone mit einem Vorschlaghammer bearbeitet und wird neben „Mauerläufer“ auch „Vater der Mauerspechte“ genannt.

Inhaltsverzeichnis
1 Todesfall
2 Weblinks
3 Impressionen
4 Einzelnachweise
Todesfall[Bearbeiten]
Der 14-jährige Schüler Christoph-Manuel Bramböck war am 31. August 1990 gemeinsam mit einem Freund in Berlin-Lichtenrade, Höhe Schichauweg, als Mauerspecht unterwegs. Die Mauer bestand in diesem Bereich – anders als im Zentrum Berlins – aus waagerecht übereinander befestigten Betonplatten. Beim Versuch, weiter oben Mauerteile abzuklopfen, löste sich eine der oberen Platten und erschlug den 14-Jährigen. Seit 2009 erinnert eine Gedenkstele, die von der Stiftung Berliner Mauer aufgestellt wurde, an Christoph-Manuel Bramböck.[1][2][3]

Weblinks[Bearbeiten]
Fotos
Podcast „Grünes Glück“: Zeitzeugeninterview über Tonaufnahmen der von Mauerspechten verursachten Geräusche (MP3; 8,6 MB)
Impressionen[Bearbeiten]

junger Mauerspecht

Grenzsoldat hinter Loch in Mauer

Mauerspechtloch in der Berliner Mauer mit Blick auf Todesstreifen und Wachturm

Mauerteile, zum Teil mit Farbresten

„Mauerspecht“ und Zuschauer an der Berliner Mauer Ende Dezember 1989

Loch in der Mauer mit Blick nach Ostberlin (Ende Dezember 1989)
Mauerspecht am Schriftzug: „SOON GONE TEAR ME DOWN“

Mauer zwischen Reichstagsgebäude und Brandenburger Tor

Mauerspecht am Schriftzug

Nahaufnahme

Der Schriftzug einige Tage später
Einzelnachweise[Bearbeiten]
↑ Heute: Einweihung der ersten Stelen, Gedenken an Mauertote, in: Berlin-Magazin, 7. November 2009, abgerufen am 24. Februar 2013
↑ In der Familie blieb ein Loch, Pressemitteilung des Landkreises Teltow-Fläming, 12. August 2011, abgerufen am 24. Februar 2013
↑ Ehrenvorsitzender Harald Fiss engagiert sich für die Mauertoten, Seite der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, abgerufen am 24. Februar 2013
Kategorien: Berliner MauerDeutsche Teilung
Navigationsmenü
Nicht angemeldetDiskussionsseiteBeiträgeBenutzerkonto erstellenAnmeldenArtikelDiskussionLesenBearbeitenVersionsgeschichte

Suchen
VolltextArtikel
Hauptseite
Themenportale
Von A bis Z
Zufälliger Artikel
Mitmachen
Artikel verbessern
Neuen Artikel anlegen
Autorenportal
Hilfe
Letzte Änderungen
Kontakt
Spenden
Werkzeuge
Links auf diese Seite
Änderungen an verlinkten Seiten
Spezialseiten
Permanenter Link
Seiten­informationen
Wikidata-Datenobjekt
Artikel zitieren
Drucken/­exportieren
Buch erstellen
Als PDF herunterladen
Druckversion
In anderen Sprachen
Links hinzufügen
Diese Seite wurde zuletzt am 20. Januar 2016 um 16:20 Uhr geändert.